26.03.19 – 22.09.19

Gastspiel: 16 Augenblicke der Uhrgeschichte

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Gastspiel «16 Augenblicke der Uhrgeschichte», eine systematische Auswahl von Taschenuhren. Rechts: Silbertaschenuhr, um 1829, sign. Ellicott & Taylor, London. Leihgabe: Privatbesitz.
Dieses zielgerichtet zusammengestellte, kleine Ensemble vereint Taschenuhren, die während eines Zeitraums von 140 Jahren entstanden sind, beginnend im Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776. Die Sammlung fokussiert innerhalb der Geschichte der Zeitmessung auf technische Entwicklungen und damals neue, praktische Zusatzfunktionen der tragbaren Uhr. Jede der sechzehn Uhren weist eine Eigenheit auf und erzählt damit exemplarisch eine «Uhrgeschichte».

Brigitte Vinzens, Konservatorin des Uhrenmuseums Winterthur, stellt den aktuellen Gast mit seinen individuellen Geschichten in der Reihe «Museum am Mittag» am Freitag, 21. Juni 2019, 12:30 Uhr vor. Die Führung ist kostenloser Bestandteil des Museumseintritts. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Innovationen!

In der Entwicklung genauerer Taschenuhren war England führend. Nachdem George Graham bereits 1737 seine Taschenuhrproduktion mit Zylinderhemmung ausstattete, blieb diese Errungenschaft die Regel bei der englischen Uhr. Nur adelige Besitzer konnten sich diese Uhren «en vogue» leisten.
Bei der vom französischen Uhrmacher Julien Le Roy um 1741 eingeführten «répétition à toc» schlagen die Hämmer beim Repetieren statt auf eine Glocke direkt auf die Gehäusewand der Uhr. In England übernahmen gute Uhrmacher wie John Ellicott dieses Prinzip, bei dem man ohne Geräusche die Zeit erspüren kann.
Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden in der Schweiz deutlich flachere Uhren. Die englischen Übergehäuse und Staubdeckel fielen weg. Ganz allmählich verlor die Uhrennation England an Glanz.
Der Uhrenfabrikant Édouard Bovet spezialisierte sich 1822 mit seinem Bruder Alphonse in Fleurier auf Duplex-Uhren in Gold-Emailgehäusen für den Export nach China. Die von Jean Baptiste Dutertre in Paris erfundene Duplexhemmung ist oft in englischen Golduhren zu finden.
1827 entwickelte der englische Chronometermacher Robert Roskell in Liverpool eine Taschenuhr mit Rechenanker-Hemmung. Sie gilt als Vorläufer der von Georges Auguste Leschot um 1825 verbesserten Ankerhemmung.

Für die englische Marine waren genaue Taschenuhren als Beobachtungsuhren ein Muss. Sie wurden anfangs des 19. Jahrhunderts oft mit der Chronometerhemmung des englischen Uhrmachers Thomas Earnshaw versehen.
Der Kronenaufzug der Uhr war noch nicht erfunden, als 1829 die in London tätigen Uhrmacher Edward Ellicott und James Taylor mit dem von Joseph Berrollas  erfundenen System des «pull-windings» vom Schlüsselaufzug wegzukommen versuchten. Das Aufziehen des Uhrwerks erfolgte durch Herausziehen des Pendantknopfes. Dieses System konnte sich nicht durchsetzen.

 

Präziser für alle

Die Schweiz war im 19. Jahrhundert führend in der Produktion von komplizierteren Uhren. Im Vallée de Joux, Genf und Neuenburg entstanden um 1830 Uhren wie solche mit Viertelstundenrepetition.
1834 liess sich der dänische Uhrmacher Jules Jürgensen in Le Locle nieder und belieferte ab 1846 hauptsächlich die USA. Obwohl seine Uhren in der Schweiz entstanden, signierte er sie mit «Jules Jürgensen Copenhagen».
Um 1850 wurde in der Schweiz eine Goldtaschenuhr mit unabhängiger, springender Sekunde hergestellt. Mit seitlichem Schieber lässt sich die Sekunde stoppen. Die Herstellung solcher Uhren ist aufwendig, weil sie ein zusätzliches Räderwerk mit Federhaus benötigen.
Kantonale und eidgenössische Schützenfeste erfreuten sich grosser Beliebtheit. Bekannte Uhrenfirmen wetteiferten darum, die Preise in Form von Schützenuhren mit Lokalkolorit des entsprechenden Festes zu fertigen.
Mit Schweizer Qualität mithalten konnte die Uhrenfabrik A. Lange & Söhne, die um 1845 in Glashütte bei Dresden entstand. Ihr Markenzeichen ist die eigens entwickelte Glashütter Goldankerhemmung.

Als Seefahrtsnation blieb England führend in der Herstellung von Marinechronometern und Beobachtungsuhren. Victor Kullberg, berühmter Chronometermacher in London, eröffnete 1856 eine Chronometer-Manufaktur und lieferte seine Rohwerke auch an andere Hersteller in England und auf dem Kontinent.

Informationen für Medienschaffende

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Vielen Dank!

Brigitte Vinzens
Konservatorin Uhrenmuseum Winterthur

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